Die Nutella-Familie und andere Erziehungsweisheiten aus dem Urlaub:-)

Im Speisesaal auf Elba: Am Nachbartisch eine italienische Familie mit 2 Mädchen, ungefähr 4 und 7 Jahre alt. Beide sehr hübsch- wie die Mutter-, die 7 jährige allerdings bereits ziemlich pummelig, die 4 jährige zeigt schon Ansätze zum gleichen Körperbau. Mich wundert das ein wenig, da die Mutter sehr schlank ist und es kein „Familien-Essmuster“ zu sein scheint. Ich beobachte nicht weiter, bis auf einmal – die Familie war von mir unbemerkt gegangen- die Kleine wie eine Sirene schreiend und heulend wieder zurück in den Speisesaal gerannt kommt und sich trotzig und mutig zugleich  hinter unserem Tisch versteckt. Einen Moment später kommt der Vater mit schnellen Schritten  zurück zum Tisch und schnappt sich einem bösen Blick auf seine Tochter erst das Nutella-Brötchen, das auf ihrem Teller zurückgeblieben war und scheinbar der Grund ihren Unmut war und dann seine Tochter. Abgang…

Ich hätte fast schon gedacht, die Eltern wollten vermeiden, dass ihre leicht pummeligen Mädchen sich mit Nutella die Bäuche füllten; wenn ich nicht eben jene Nutellabrötchenfamilie 2 Stunden später am Strand entdeckt hätte und ich wirklich kopfschüttelnd folgende Situation beobachten konnte: die Kleine spielte friedlich und fröhlich im seichten warmen Meerwasser, bis ihre Mutter zu ihr ins Wasser kam und ihr ein Riesen-Sandwich aus dickem labbrigen Weissbrot regelrecht in den Mund stopfte. Die Kleine kam kaum zum Kauen und schon gab es den nächsten Bissen, die Backen wurde immer voller. Es war offensichtlich, dass sie keinen Hunger hatte. Doch die Mutter gab nicht auf, verstärkte ihre Bemühungen noch mit Schimpfen und der Gipfel war, als ich hörte: „Jetzt iss das endlich auf, DANN darfst Du spielen.“  Welches Ess-Muster wurde bei diesen Kindern wohl geprägt?

Ein anderes Beispiel der Kindererziehung erlebte ich mit einem deutschen Vater, der seinen ca. 4 jährigen Jungen auf dem Arm am Frühstücksbuffet entlangtrug und ihm vorschwärmte, wie reichhaltig alles sei und wie viel Auswahl es gäbe, guck mal hier und guck mal da. Als der Junge dann auf etwas zeigte, sagte der Vater streng: “ Nein, DU nimmst jetzt Naturjoghurt!“  – Eine kleine Portion Nutella hatte es dann wohl doch auf den Teller des Jungen geschafft, wofür er dann diese Ermahnung des Vaters- wieder in einem sehr strengen und belehrenden Ton- mit auf den Weg bekam: „Also DAS ist jetzt aber  eine absolute Ausnahme, nur weil Urlaub ist. Damit DAS mal klar ist. Zuhause ist dann wieder eine andere Welt! Hast Du das verstanden?“

Bildquelle

Advertisements

16 Kommentare

Eingeordnet unter Blickwinkel, Gedankenkarussell, Leben, Reisegeschichten, Wahrnehmung, Werte

16 Antworten zu “Die Nutella-Familie und andere Erziehungsweisheiten aus dem Urlaub:-)

  1. Neee, sowas verstehen kleine Kinder nicht.
    Igitt, wie kann man einem Kind solche Unmengen an Essen aufzwingen? Das ist ja schon körperliche Grausamkeit.
    Was für ein Wissen haben die? Dass sie so handeln. Mein Kopf geht nur hin und her, und will gar nicht aufhören, zu schütteln.
    Da ich gerade gefrühstückt habe, habe ich Mühe, es jetzt bei mir zu behalten, irgendwie….

    • Liebe Bärbel, das ist echt „igitt“ gewesen… Und die Mutter denkt wahrscheinlich noch, sie tut dem Kind was Gutes… Ich hoffe, Dein Magen hat sich beruhigt;-) Liebe Grüsse Andrea

  2. Huch, das klingt ja fast mittelalterlich…
    Liebste Andrea, das hätte mich auch sehr nachdenklich gemacht… die armen Kinder… so unfrei… Die Frage ist allerdings, was in diesen Eltern vorgeht, was die als Kinder erlebt haben und welche Muster sie bei den eigenen Kindern fortführen… sehr traurig…

    Liebste nachdenkliche Grüße zu dir,
    Elisabeth

  3. Werner

    Ja, zum Kopfschütteln ist wirklich so manches, was man an Beispielen erleben kann, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen.
    Auf Amrum erlebten wir in diesem Frühjahr bei einem Spaziergang folgendes.
    Ein Vater trug sein schätzungsweise höchstenes eineinhalbjähriges Kind auf dem Arm. Und da es quengelte oder schrie, dauerte es nicht lange und es hatte einen Kopfhörer auf den Ohren.
    Egal was es da zu hören kriegte, Schäden dürften so wohl programmiert werden – und zwar nicht nur Gehörschäden.

    • Lieber Werner, das ist ja auch ein „gutes“ Beispiel – ich weiss nicht, was in den Eltern vorgeht, dieser Vater war wahrscheinlich einfach hilflos bei dem Geschrei… Liebe Grüsse Andrea

  4. Werner

    Auf Amrum sind mehrere Mutter-Kind-Kliniken… Nehmen wir mal an dass die Kopfhörermusik ein beruhigender Therapieeinsatz war…????
    Vielleicht war das ja ein vorschnelles Urteil, zu dem ich aufgrund des äußeren Anscheins kam?

  5. Ist ja einfach grauenhaft!
    KInder haben von Natur aus so ein gesundes Verhältnis zum Essen, sie spüren genau, wann, wieviel und was ihr Körper braucht.
    Liebe Grüße:
    Beate

    • Liebe Beate, ja als Kinder haben wir noch ein gesundes Verhältnis zum Essen, unsere Zivilisation und manche Eltern stören das… Und dann müssen sie als Erwachsene Diäten halten oder sich sonst irgendwie zurückhalten mit Essen, nicht schön…. Liebe Grüsse Andrea

  6. Hase

    Liebste Andrea,
    das ist einfach schrecklich, so Beobachtungen zu machen.
    Die armen Kinder !!!

    das ist jetzt der Kommentar zu Deinem neuen Beitrag in Kopie *lach*
    ich sorge für Verwirrung, aber er hat mich verwirrt, dass er nicht wegwollte…

    Danke, liebste Andrea,
    danke für Deinen Beitrag. Über das ß habeich hier
    schon mehrmals was geschrieben. Es ging nicht fort….*lach*
    Es war schön, mit Dir zu telefonieren. … Das war eine gute Idee von mir !
    Eine wunderschöne Stimme hast Du.
    liebe lächelnde Grüße
    Erika 🙂

    • Liebste Erika, ich bin ja WordPress sehr dankbar, dass manchmal kommentieren nicht geht:-) sonst hättest Du mich gestern nicht spontan angerufen und wir hätten nicht so nett geplaudert!!! Ich habe mich sehr gefreut und Du sprichst wirklich so wie Du schreibst – absolut authentisch, grossartig. Das war WIRKLICH eine gut Idee von Dir:-) Alles Liebe für Dich und auf bald, Andrea

      • Werner

        Hallo Andrea und Erika,

        Ich hab nun eine Vermutung, warum wir bei dem ß-Beitrag nicht kommentieren konnten.
        Da es gerade uns beide getroffenhat und nicht alle (was Bärbel / minibares schrieb, kam ja an) vermute ich doch stark, dass Du, liebe Andrea, da (versehentlich und ohne es zu merken) irgendeinen Klick gemacht hast, der dafür sorgte dass nur Menschen durchkommen, die selbst blogger sind.
        Ich hoffe mal, dass das nicht allzu oft vorkommt.
        Aber wir finden ja Wege, trotzdem unsere Kommentare irgendwie los zu werden.
        🙂

        Werner

  7. … was ein süßes kind!
    ich finde ja, einfach gelassen sein: das kind nicht zum essen zwingen… und ihm die leckeren gesunden sachen schmackhaft machen.
    vielleicht braucht ein kind, wenn es viel liebe erfährt, auch nicht sooo viel süßes ^^

    • Das Kind ist nicht „original“ aus der Geschichte, hätte vielleicht komisch ausgesehen, wenn ich mitten in derer Diskussion den Fotoapparat gezückt hätte:-) Und ich bin ganz Deiner Meinung, ein Kind, das viel Liebe erfährt und einen „natürlichen“ Umgang mit Essen erfahren darf, hat wahrscheinlich kein Mangel-Ess-verhalten… Allerdings sind auch Eltern „nur“ Menschen;-) Liebe Grüsse Andrea

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s