Neulich im Supermarkt – Höflichkeit und Hektik

Eine hübsche und sehr gestylte Frau hetzt durch den Supermarkt im Viertel. Keine Zeit für einen Einkaufswagen – sie klemmt sich alles unter die Arme und hat die Hände voll, schaut dabei hektisch um sich und ist sehr schnellen Fusses unterwegs. Sie fällt mir auf, weil sie fast einen Wettlauf mit mir beginnt (ich mit Einkaufswagen und nichtsahnend), als sie denkt, ich würde mich in der Kassenschlange anstellen. Als ich dann nochmal rechts abbog, war sie sichtlich erleichtert.

Ganz friedlich in der Kassenschlange stehend, beobachte ich anschliessend folgendes Schauspiel: Ein symphatischer hochgewachsener älterer Herr packt nach dem Bezahlen seine Sachen in seinen Rucksack, die hektische Dame ist gleich nach ihm dran, es kommt irgendwie zum Körperkontakt  – also fast schon zu einem „Gerempel“ und die Dame schreit plötzlich mit lauter und aggressiver Stimme den Herrn an: „Wieso schubsen Sie mich?“ Der schaut sie ganz verdaddert an und murmelte etwas davon, dass SIE ihn geschubst hätte. Worauf sie noch einmalkräftig anschnauzte…

Ich habe nicht gesehen, wer da wen angeschubst hat und ob es aus Absicht geschah, oder weil sie so ungeduldig drauf wartete, dass der ältere Herr endlich seine Sachen einpackte; selbst wenn ER sie geschubst hätte, wäre diese Reaktion völlig überzogen gewesen und mir kam blitzartig folgender Gedanke: „Absicht oder nicht, Schuld oder schuldlos, mit ihrer aggressiven Art und der Hektik hat sie das aggressive Erlebnis regelrecht angezogen… Das Gesetz der Resonanz funktioniert immer.“

Das Positive daran? Alle Umstehenden schauten sich bewusst an, lächelten sich an und schienen ähnliche Gedanken zu haben und es schien ab dem Moment jeder Einzelne noch ein rechtes Stück freundlicher als vorher – wie als Ausgleich für das Geschehene…

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24 Kommentare

Eingeordnet unter Blickwinkel, Humor, Leben, Wahrnehmung, Werte

24 Antworten zu “Neulich im Supermarkt – Höflichkeit und Hektik

  1. Werner

    „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Das scheint also zum Glück nicht immer zu stimmen. Die Szene, die du da beobachtet hast, könnte man eher so bescheiben: „Wenn man so in den Wald – ähm Supermarkt hinein pöbelt, verändert das die Menschen (und in diesem Fall sogar zur Freundlichkeit.)

    Bei dieser Einkaufsszene: http://flic.kr/p/4fjzzU scheint es ja viel friedlicher zuzugehen.
    🙂

  2. Ich habe Ähnliches auch immer wieder beobachtet, liebe Andrea. Für manche ist der kleineste Körperkontakt ein böses Ventil, um seinen eigenen Dampf abzulassen.
    Schlimmer finde ich solche rücksichtslosen Aggressionsabbauphasen bei Autofahrern, die sich und andere dazu noch in Lebensgefahr bringen.

    Ich wünsche dir einen ausgeglichenen Tag.
    Herzlich,
    Anna-Lena

    • Liebe Anna-Lena, da stimme ich Dir voll und ganz zu, beim Autofahren kann Schwerwiegendes passieren… Allzeit gute Fahrt und gerempelfreies Einkaufen für Dich, herzlichst Andrea

  3. Das Verhalten der Menschen ist unglaublich,
    solche Szenen beobachte ich auch sehr gern, vor allen Dingen spielen sie sich andauernd vor unseren Augen ab.
    Manchmal finde ich es erschreckend, wie sich Erwachsene so gehen lassen und ihre Mitmenschen einfach anpöbeln.
    War diese Dame wirklich eine Dame?

    • Liebe Sweetkoffie, sie stand auf jeden Fall SEHR stark unter Druck, das sah man auf allen Ebenen; und ein schönes Outfit mit schwingendem Rock macht noch keine Dame, das ist sicher…:-) Liebe Grüsse Andrea

  4. Also erst einmal: was für ein süsser Hund. Der schaut jetzt nun gar nicht aggressiv und hektisch aus 😉
    Ich habe einmal eine ähnliche Beobachtung meinem Sohn erzählt. Da sagt er zu mir: Mama, Du weißt doch gar nicht, welch ein Schicksal hinter diesem Menschen steht. Da war ich sehr erstaunt, denn das hätte ich ihm gar nicht zugetraut und ich hätte auch von selbst darauf kommen sollen ;-(
    Das Resonanzgesetz funktioniert ja wirklich überall und immer, ich finde es total faszinierend. Das inspiriert mich gerade, mal wieder daraus zu zitieren 😉
    Einen schönen sonnigen Tag wünsche ich Dir.
    Herzensgrüße, Dori

    • Liebste Dori, Du Hunde-Fan:-). Nein, natürlich wissen wir nicht, welches Schicksal andere Menschen tragen; doch sollten nicht gerade Menschen mit schwerem Schicksal achtsam mit anderen Menschen sein? Ich halte es da mit Werner, nicht für alles kann man sich mit einem schweren Leben entschuldigen, zumal man es damit – Resonanz- ganz sicher noch schlimmer macht… Es geht mir nicht um Verurteilung, sondern ich habe wirklich einfach das Gesetz der Resonanz regelrecht SEHEN können… Ich bin auch immer wieder fasziniert davon… Einen wunderschönen sonnigen Tag auch heute für Dich, allerliebste Herzensgrüsse Andrea

  5. Manche Menschen kennen Benehmen eben nur aus dem Duden; bestenfalls. Da hilft nur eines: Schnell weg! Aber vergiss dabei bitte den älteren Herrn nicht. Der will bestimmt auch nicht dort bleiben! ;o)

    • Liebe Skriptum, der ältere Herr hat sogar – äusserlich- dann ziemlich cool reagiert, vielleicht stand er jedoch auch einfach nur unter Schock… Alles Liebe zu Dir und lauter viele positive Erlebnisse beim Einkaufen, Andrea

  6. Liebste Andrea,

    die Worte von Doris Sohn zu einem ähnlichen Fall berühren mich, denn genauso ist es, wir wissen nicht, warum diese Reaktion kam, welche Beweggründe dahinter stecken. Das ist auch nicht immer einfach und gleich zu sehen. Interessant iost, was wir damit machen und wie wir darauf reagieren, denn das hat mit uns etwas zu tun.
    Ich habe heute auch wieder so einiges erlebt, was mich nur schmunzeln lässt…

    Allerliebste Abendgrüße zu dir,
    Elisabeth

  7. Ja, so ist es. Ich glaube, man strahlt seine Stimmung schon aus. Man erntet, was man sät. Du hast die Geschichte schön erzählt!
    Fröhliche Grüße, Emily

  8. Werner

    Doris Sohn („Du weißt doch gar nicht, welch ein Schicksal hinter diesem Menschen steht.“) und Elisabeth („wir wissen nicht, warum diese Reaktion kam, welche Beweggründe dahinter stecken.“) haben schon irgendwie recht.
    Aber, wenn ich sage irgendwie recht dann heißt das halt nur „irgendwie“ und damit auch: „irgendwie nicht recht.“
    Wir waren alle (vermute ich) schonmal in Situationen in denen wir gerne die „Umstände“ für unser (Fehl-)verhalten als Entschuldigung gelten lassen wollen.
    Aber sind wir da nicht oft zu schnell dabei Verantwortung für unser Tun oder Lassen abzuwälzen auf andere, Sündenböcke zu suchen?
    Alles zu verstehen (das „Schicksal“ das einen Menschen zu dem gemacht hat was er ist oder die aktuelle Situation, die „Beweggrund“ für sein Handeln ist) das alles sollte nicht zu vorschnellen und leichtfertigen „Entschuldigungen“ dienen.

    ambivalente Grüße

    Werner

    • Lieber Werner, DANKE dass Du das so ehrlich und direkt ausgedrückt hast, was ich auch denke. Nicht allgemeingültig, aber ich mag es nicht, wenn Menschen alles damit entschuldigen, dass sie z.B. eine schwere Kindheit hatten. Natürlich macht es uns zu dem Menschen, der wir heute sind; natürlich prägt das, natürlich hat jeder „sein Päckchen“ zu schleppen; doch meiner Meinung nach darf ich das nicht ungebremst und ungefiltert an anderen Menschen auslassen und vor allem nicht als „Freifahrtschein“ für ungehobeltes Benehmen ausnutzen…Herzliche Grüsse Andrea

      • Werner

        Richtig schwierig wird es ja dann, wenn wir bei unserem Gegenüber eine schwere Kindheit oder andere problematischen Umstände nicht nur vermuten (und deshalb als Entschuldigung eventuell gelten lassen könnten), sondern tatsächlich die Vorgeschichte kennen.
        Dann fällts erst recht schwer, das „ungehobelte“ Verhalten als solches anzusprechen und evtl. dem betroffenen Menschen Wege aufzuzeigen, zu besseren Verhaltensweisen zu finden.
        Falsche Rücksichtnahme – weil er ja nicht anders kann – hilft jedoch nicht weiter!

        • Lieber Werner, danke für die ergänzenden schönen Gedanken – und am Ende sage ich wieder- ich kann nicht jedes Verhalten mit einer schweren Kindheit entschuldigen, damit tu ich – da hak ich bei Dir ein- niemandem einen Gefallen, auch nicht dem, den ich entschuldige… Herzliche Grüsse Andrea

  9. liebste andrea
    im moment kämpfe icfh mit einer schreibblockade trotz vieler gedanken und erklebnisse und deshalb tut es gut, hier wieder einiges serviert zu bekommen voon humor bis hin zu nachdenklichen sachen
    mich „ärgern“ solche reaktionen in dieser situation zuerst immer und dann stell ich mir auch immer diese frage, was da wohl dahintersteckt. hektik führt meistens immer zu unliebsamen zusammenstößen 🙂 ich finds interessant zu sehen, was dies bei den anderen auslöst.
    herzlichst
    von babsi

    • Liebste Babsi, die Schreibblockade ist ja scheinbar zum Glück wieder vorbei… manchmal darf das doch auch sein, oder nicht? Ich war emotional eher unbeteiligt, ich habe es stattdessen mit einem Schmunzeln beobachten können, da es – für mich – so klar zu beobachten war… Allerliebste Grüsse Andrea

  10. Es ist eigenartig, dass sowas echt verbindet, aber so ist es, lach.
    Solche Hektik ist fast allen zuwider.
    Die alles ohne Korb oder Wagen tragen, da frage ich mich immer, wann fällt was runter?

    • Liebe Bärbel, ja solche Dinge verbinden tatsächlich und das ist dann auch das Schöne am Unschönen:-)… Und vor allem, WAS fällt zuerst:-) Liebe Grüsse Andrea

  11. yep, ich stimme dir aus vollem herzen zu: das gesetz der resonanz funktioniert immer. manchmal aber auch mit höflichkeit und hektik andersartig, wie es mir gerade geschehen ist *seufz* – wäre ich ich meiner höflichkeit nicht so hektisch gewesen, hätte ich den autoknutscher vermeiden können. aber die gedanken an was ganz anderes haben eben jenes zusammentreffen angezogen …
    liebe grüße!

    • Oh, ein Autoknutscher, nicht so gut, liebe Ina, ich hoffe, es ist nicht allzu schlimm! Ja, das kenn ich zu gut, gerade beim Autofahren, die Gedanken woanders…Ich hab letztens auch einen Autoknutscher gemacht, bzw. einen AutoRUTscher, war halb so wild, aber ärgerliches Geld und der Schreck… Dir alles Liebe Andrea

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