Gedankenkarussell – Demut

Die zentrale Idee der Demut besteht darin, „mit Hilfe der Vernunft eine emotionale Haltung einzunehmen, mit der sich der eigene Narzissmuss überwinden lässt.“ (Erich Fromm). Das heisst nichts anderes, als dass Demut eine geeignete Methode ist, um über die Selbstbezogenheit und Eigenliebe hinaus auch den anderen in seinem Wesen wahrzunehmen. Der andere wird nicht dazu benutzt, eigene Interessen durchzusetzen, sondern er wird als wesentlicher Bestandteil der Partnerschaft wahrgenommen. Es geht um mehr als ausschliesslich um das eigene Selbst. So entsteht eine Gemeinschaft, die grösser ist als die Summe ihrer Mitglieder.

In der Praxis bedeutet das keineswegs eine willkürliche Unterordnung unter den Willen eines anderen, sondern die kluge Synthese aus den Wünschen aller Beteiligten. Jeder verzichtet auf die bedingungslose Durchsetzung seiner Vorstellungen. Man teilt und erhält am Ende mehr, als man hineingegeben hat – Synergie.

Diese Idee ist in ihrer Klugheit revolutionär. Nur der Mensch ist in der Lage, diese emotionale Leistung bewusst zu vollbringen und weiterzuentwickeln. Die Chancen, die darin liegen, sind gewaltig, und dennoch fällt es oft schwer, Demut als selbstverständliche Tugend in den eigenen Alltag zu integrieren.

Tom Schmitt/Michael Esser „Statusspiele“

Bildquelle

partnerschaft synergie

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Gedankenkarussell – Demut

  1. liebste andrea
    erst jetzt komme ich zum lesen deines beitrages.danke für diesen interessanten impuls.für mich hatte demut immer eine eher negative bedeutung.früher in der schule wurde oft von der „demut vor gott“ gesprochen und das hieß:bedingungslose dankbarkeit und unterordnung.
    heute weiß ich, demut ist etwas ganz anderes.auch dem leben gegenüber empfinde ich gerade wieder eine gewisse demut, sprich auch eine dankbarkeit. auch eine demut gegenüber netten kontakten, die ich hier geschlossen habe. ein miteinander auf beiden seiten.
    demut ist für mich auch mit danklbarkeit verknüpft.

    die definition hier steht für mich auch für konfliktbereitschaft!!!

    danke für diesen denkanstoß!!

    von herzen

    babsi

    • Liebste Babsi, genauso hab ich das bisher auch immer gesehen. Und ich war ganz aufgeregt und fröhlich, eine so wunderbare Beschreibung des Begriffes zu finden. DA bin ich ganz dabei, DAS lebe ich mit meinem Liebsten (fast immer:-) ). Und ja, mit Dankbarkeit hat das auch für mich viel zu tun… DANKE Dir für diese wunderbaren Gedanken; ich bin immer begeistert, wenn (jemand) Du genau das triffst, was ich ausdrücken wollte… Allerliebste Herzensgrüsse Andrea

  2. Ich muss da noch bisschen drüber nachdenken, wie sich das mit der Demut verhält.
    Auf jeden Fall erfordert es offenbar auch MUT dazu, demütig zu sein. Mut, sich selbst zurück zu nehmen, sich nicht dem HOCHMUT hinzugeben, man selbst sei der allerwichtigste und allerbeste.
    Ich bin damit noch nicht fertig, Muss auch noch überlegen wie das mit solchen Ausdrücken wie GROSSMÜTIG, KLEINMÜTIG usw zusammenhängt.
    Und dann gibts ja auch noch den ÜBERMUT… 🙂

    also schick ich heut mal übermütige Grüße

    Werner

    • Lieber Werner, ja Mut gehört ganz sicher dazu, sich so auf jemanden einzulassen, wie es hier beschrieben ist. Der „Lohn“ dafür ist jedoch grenzenlos und wunderbar. Mir fallen bei Deinen Assoziationen gleich diese Sprichwörter ein: Hochmut kommt vor dem Fall. Übermut tut selten gut. Und da sehe ich gleich so einen erhobenen Zeigefinger vor meinem geistigen Auge… Dann lieber übermütige liebe Grüsse zu Dir zurück:-), Andrea

  3. gokui

    hallo,
    dazu „…Es geht um mehr als ausschliesslich um das eigene Selbst. So entsteht eine Gemeinschaft, die grösser ist als die Summe ihrer Mitglieder. …“ fällt mri aber ein, das man erstmal wissen sollte, was das eigenen selbst ist.
    denn aus dem nichts kann man zwar eine summe bilden *schlau-rechne*, diese wird aber kaum mehr als das summe von zweier nicht-wissenden-sich-selbst-sein/ unperfekten sein.

    • Lieber gokui, ich glaube, ich verstehe, was Du meinst. So tief ist das mit dem Selbst hier gar nicht gemeint. Denn auch wenn ich mich SELBST nicht gut kenne, kann ich die Wünsche meines Partners erfahren und berücksichtigen. Wenn das im „gesunden“ Hin und Her geschieht, wachsen wir gemeinsam daran und lernen uns auch besser selbst kennen… Und noch zum letzten Satz, 2 „Perfekte“ wäre ja auch schrecklich langweilig:-) Liebe Grüsse Andrea

      • gokui

        …woher weißt Du das zwei Perfekte langweilig wären ? Ich hatte ( leider ) noch nie diese Situation.

        • Ich weiss es nicht, ich stelle es mir so vor… aber das liegt vielleicht daran, dass ich nicht perfekt bin und mir es dann schrecklich vorstelle, mit einem perfekten Partner zusammen zu sein…

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