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Vom Träumen und vom Zaubern

Kritik der Filmstarts.de-Redaktion über Hugo Capret, von Christoph Petersen

„Hugo Cabret“ ist entgegen des ersten Eindrucks kein Film für Kinder, sondern ein berührendes Leinwandmärchen für Kinoliebhaber und alle die es werden wollen. Deshalb überzeugt auch keiner der Trailer, weil hier versucht wird, den Film als etwas zu verkaufen, was er einfach nicht ist. Regisseur Martin Scorsese  verehrt das Kino und seine Geschichte wie kein zweiter auf diesem Planeten – und „Hugo Cabret“ ist das pure Destillat dieser seit mehr als 50 Jahren andauernden Liebesbeziehung: Mit seinem ersten Ausflug ins 3D-Fach setzt Scorsese dem Kinopionier Georges Méliès, der bis 1922 mehr als 500 (!) Filme drehte, ein unvergessliches Denkmal. Wer mit dem Namen George Méliès jetzt nicht sofort etwas anfangen kann, sollte sich davon auf keinen Fall abschrecken lassen. Aber die Bereitschaft, sich auf eine magische und ganz sicher nicht anspruchsfreie Reise in die Kindertage des Kinos einzulassen, muss man schon mitbringen – denn Scorsese ist kein Mann der Kompromisse, auch wenn das Studio den Trailern nach zu urteilen lieber einen echten Kinderfilm von ihm gesehen hätte.

Paris im Winter 1931: Nach dem Tod von Vater (Jude Law) und Onkel  lebt der 12-jährige Hugo Cabret (Asa Butterfield) in den Wänden eines Pariser Bahnhofs und kümmert sich darum, dass immer alle Uhren aufgezogen sind. Ständig auf der Flucht vor dem hinkenden Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen) arbeitet der Waisenjunge außerdem daran, einen roboterähnlichen Schreibautomaten wieder in Gang zu bringen, den ihm sein Vater hinterlassen hat. Dazu klaut er immer mal wieder Zahnrädchen und andere Ersatzteile bei dem Spielzeughändler Georges (Ben Kingsley), der seine Aufziehmäuse und anderen Krimskrams im Bahnhof verkauft. Als George den Dieb eines Tages beim Stibitzen erwischt, nimmt er ihm das Notizbuch von Hugos Vater ab, in dem dieser alles, was zur Reparatur des Automaten nötig ist, in Skizzen festgehalten hat. Gemeinsam mit Georges‘ abenteuerlustiger Enkelin Isabelle (Chloe Moretz) setzt Hugo in der Folge alles daran, das Notizbuch wiederzubekommen – und stößt dabei auf ein wohlbehütetes Geheimnis in der Vergangenheit des Spielzeugverkäufers…

Nach dieser Inhaltsangabe versteht man noch nicht, was das Bahnhofstreiben nun eigentlich mit Stummfilmen und Méliès zu tun haben soll, aber wir wollen an dieser Stelle natürlich nicht die Überraschung verderben. Trotzdem sollte man ungefähr wissen, worum es geht, denn wer in Erwartung eines typischen 3D-Märchen-Abenteuers im Stile von „Alice im Wunderland“ oder „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ ins Kino geht, wird sicher enttäuscht. Martin Scorsese lässt sich viel Zeit, um die Handlung, die Charaktere und die magische Stimmung des Paris der 30er Jahre zu etablieren – mitunter erinnert die Atmosphäre von „Hugo Cabret“ so an eine Mischung aus Jean-Pierre Jeunets „Die fabelhafte Welt der Amelie“ und Woody Allens „Midnight in Paris„. Auch das 3D nutzt Scorsese nicht etwa für hochtourige Actioneinlagen, sondern für ausladende, atemberaubend schöne Fahrten durch den Bahnhof, bei denen man sich immer wieder staunend fragt, wie er das mit den zahllosen Statisten und den ziemlich schweren 3D-Kameras bloß hinbekommen hat: Obwohl Scorseses erster 3D-Stehversuch, ist in „Hugo Cabret“ der visuell beeindruckendste und durchdachteste Einsatz der 3D-Technik seit James Camerons „Avatar“ zu bewundern.

Martin Scorsese hat die Historie des Kinos so umfassend in sich aufgesogen wie wohl kein anderer Filmemacher neben ihm. Unter diesen Vorzeichen ist es wohl nicht vermessen zu behauptet, dass „Hugo Cabret“ der bisher persönlichste aller Scorsese-Filme ist, schließlich behandelt er genau jene Themen, die dem Regisseur ganz besonders am Herzen liegen – und dieses Herzblut merkt man dem Film auch in jeder Szene an. Wenn Scorsese gen Ende Ausschnitte aus Mélièrs‘ bekanntestem Werk „Die Reise zum Mond“ in 3D vorführt, vereint er die Vergangenheit und die Zukunft des Kinos und erfüllt zugleich den Traum eines jeden Cinephilen.

Die emotionale Ebene des Films lastet fast ausschließlich auf den Schultern von Asa Butterfield, der in so gut wie jeder Szene zu sehen ist – alles andere als eine leichte Aufgabe für den zum Zeitpunkt des Drehs 13-jährigen Nachwuchsschauspieler, die er aber mit Bravour meistert, während Oscar-Preisträger Ben Kingsley  eine extrem emotionale Performance raushaut, die ihm gut und gerne seine bereits fünfte Oscar-Nominierung einbringen könnte. Die größte Überraschung des Films bleibt aber Brachialkomiker Sacha Baron Cohen („Borat„, „Brüno„), der hier nicht nur mit einem herrlich absurden französischen Dialekt, sondern auch mit feinem Slapstick in der Tradition von Charlie Chaplin begeistert.

Fazit: Wer das Kino liebt, darf diesen Film auf keinen Fall verpassen.

Meine Lieblingsstelle in dem Film ist, als Hugo, der in der faszinierenden Welt von Maschinen aufgewachsen ist,  seine Freundin Isabelle mit in den obersten Stock des Bahnhofes nimmt, von wo er über ganz Paris schauen kann. Und er erklärt ihr seine Anschauung der Welt sinngemäss so:

„Eine Maschine besteht immer aus genau so vielen Teilen, wie sie bentötigt, um zu funktionieren. Jedes Teil hat seine spezielle Aufgabe und seinen Sinn. Und wenn die Welt un auch eine grosse Maschine ist. Und dann kann auch ich nicht überflüssig sein, dann gibt es auch für mich eine spezielle Aufgabe und eine Bestimmung. Und dann bin ich nicht allein.“

p.s. ich bin nächste Woche auch komplett unterwegs, ich werde auf Eure lieben Kommentare noch antworten, versprochen!

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14 Kommentare

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Happy New Year …

… noch zu früh? Mag sein, aber nicht zu früh für einen wunderbaren, humorvollen, herzlichen Film gleichen Namens. Ein Staraufgebot, das sich sehen lassen kann und trotz der vielen Stars, sticht keiner den anderen aus; jeder hat seine Geschichte, jeder hat seine „Zeit“. Ich hätte ihn am liebsten gleich nochmal gesehen… Worum es hier überhaupt geht?

„Es ist der letzte Tag des Jahres. Und es soll die berauschendste Nacht des Jahres werden. 20 Liebesgeschichten verflechten sich vor dem Panorama der pulsierenden Metropole New York City. Diesen einen Abend erlebt jeder auf seine ganz eigene Art. Während die einsamen Herzen unter ihnen nach der großen Liebe suchen, schmieden die anderen Zukunftspläne, trennen sich oder geben einander eine zweite Chance. Dabei übersehen alle, dass das Ende des alten Jahres auch der Beginn eines neuen Jahres bedeutet, und damit auch gleichzeitig die Chance für einen Neuanfang bietet. Und welcher Ort wäre dazu besser geeignet als in der verheißungsvollen Millionenmetropole New York City.“

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Es geht um „Leute mit hoffnungsvoller Erwartung auf der einen, Silvester-Muffel auf der anderen Seite. Es geht um Neujahrs-Babys und die ersten guten Vorsätze fürs Neue Jahr, um zweite Chancen und unerwartete Dates in Garry Marshalls romantischer, in New York gedrehter Komödie.

Von einem Jon Bon Jovi über Jessica Biel und Zac Efron bis hin zu Hollywood-Größen vom Schlage eines Robert De Niro. Zwar trifft sich die halbe Welt zu Silvester in New York City, Regisseur Marshall aber konzentriert sich auf spezielle, letztlich jedoch ganz alltägliche Momente: Auf einen Ashton Kutcher etwa, der zwischen den Jahren im Fahrstuhl stecken bleibt, einen Jon Bon Jovi, der um eine neue Chance bittet bei Katherine Heigl, eine überfürsorgliche Mutter (Sarah Jessica Parker), eine mitfühlende Ärztin (Halle Berry), eine gestresste Hilary Swank: Sie ist zuständig für den großen Silvester-Event am Times Square. Und es geht um Til Schweiger, der sich in einem absurden Duell befindet: Wer bekommt die 25.000 Dollar fürs erste Baby 2012?

Marshalls Film ist auch eine Hommage an seine Geburtsstadt, New York. „Happy New Year“ macht nicht nur Lust auf einen beschwingten Jahreswechsel, sondern regt durchaus dazu an, sich Gedanken zu machen über die eigenen Vorsätze für 2012″.

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